Medienkritik am „Das Phänomen #Asexualität – Nie Lust auf Sex“- Onlinetext von swr2wissen aus asexueller Perspektive

Medienkritik am „Das Phänomen #Asexualität – Nie Lust auf Sex“-Onlinetext von @swr2wissen @SWR2 (Charlotte Grieser, Ulrike Barwanietz, Ralf Kölbel) aus asexueller Perspektive

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/phaenomen-asexualitaet/-/id=660374/did=24180396/nid=660374/1ix1p97/index.html

Die Überschrift suggeriert schon eine Art Mystifikation (PHÄNOMEN). Sie haben die Chance vertan, Asexualität als die NORMALE sexuelle Orientierung darzustellen, die sie ist. Mir ist Ihre Zielgruppe bekannt.
Doch Sie tragen durch Skandalisierung zur Stigmatisierung Asexueller bei!

„Nähe und Intimität erlebt sie trotzdem.“

– Ein Versuch, asexuelle Menschen zu vermenschlichen, indem relativiert wird. Für manche Aces ist es wichtig. Aber nicht alle empfinden Nähe als „notwendig“ für’s eigene Leben! Das ist vollkommen gut so. Es macht sie nicht weniger Mensch! Übrigens gilt das Gleiche für Allosexuelle (Nicht-Asexuelle) auch! Für einige Menschen sind beide Punkte wichtig, für einige andere wiederum nicht! Das muss keinen direkten Zusammenhang zur sexuellen Orientierung haben.

trotzdem“ erinnert an „Asexualität ist komisch, ABER…“

Wissenschaftspunkt bereits erläutert. Doch ist es keine so vollkommen unerforschte Wüste, wie Sie es Lesenden vermitteln wollen. Es gibt Paper dazu. Zudem brauchen Sie nicht das wiss. Establishment zu Rate zu ziehen, um unsere Existenz zu legitimieren!

Ja, Asexualität ist ein Spektrum. Aromantische Menschen sind aber eine eigenständige Gruppe; keine blosse Untereinheit von Aceness! Es gibt ebenso allosexuelle (nicht-asexuelle) aromantische Menschen! #Aromantik

…“die keine Beziehung und keinerlei Körperkontakt wünschen“: 🚮

🚮 solche Aussagen gehören weg!

Stimmt erneut nicht. Sie definieren „Beziehung“ nicht. Meinen Sie z.B. romantischen Beziehungen? 1 Bsp.: Queerplatonische Beziehungen (QPRs)! Noch nie gehört? Passiert. Nachholen!

„keinerlei Körperkontakt“?

Diese Generalisierung aromantischer Menschen ist falsch.

Asexuelle haben vielfältigste Gründe, sexuell aktiv zu sein. Das Zentrieren des „um den (allosexuellen) Menschen in der Partnerschaft zu befriedigen“ stellt nicht die asexuelle Person id Mittelpunkt; fokussiert auf „die Normalen“[= Allosexuellen].

„Die Meinungen über asexuelle Menschen gehen auseinander. Sie selbstsagen: Wir sind nicht unglücklich – also lasst uns sein, wie wir sind!“

Unsere Existenz steht nicht zur Debatte! Eure (allosexuellen) „Meinungen“ haben keine Entscheidungsmacht! Das gehört nicht zum Diskurs!

Im Folgenden stellen Sie Sex als lebensnotwendiges menschliches Bedürfnis mit Essen und Schlafen gleich. Das ist falsch und eine unheimlich entmenschlichende Aussage für alle, die nicht so empfinden.

Es spielt stark mit dem Bild der „defizitären asexuellen Person“

„Sex? Unwichtige Nebensache bis eklig. Bestenfalls ein Kuriosum, das nur andere betrifft.“


Nein, unzureichende Vereinfachung! Das Verhältnis asexueller Menschen zu Sex ist vielfältiger. Für Manche sogar Teil ihrer Arbeit (siehe: asexual sexwork).

Erster Punkt für Allyship und zur Gestaltung eines gut recherchierten Beitrag zu Asexualität: Benennung!
Ich weiß, es klingt queer-theoretisch, nutzt der asexuellen Community aber insofern, als dass Allosexualität eben nicht als Norm oder Default dargestellt wird!

Ihr Bericht trieft vor #Amatonormativität (>Suchmaschine!). Romantische Beziehung als Vermenschlichungsversuch Asexueller, denn „diese Asexuelle“ sind ja fast „schon wieder normal, so, wie sie auch romantisch aktiv sind!“ Erneut: Klar! Wie weitreichend soll informiert werden? Doch Sie erwähnen von alleine Aromantik. Oder Asexualität als Spektrum. Erwähnen Sie doch das Split Attraction Model! So können Sie sehr einfach Vielfalt erklären und eine einseitige (alloromantik-lastige), exkludierende Berichterstattung vermeiden!

Der Fokus auf (monogamen) Partnerschaften primär alloromantischer Asexueller erinnert mich erneut an das Ausfragen von Partner_Innen von trans Personen in anderen Zusammenhängen. Vollkommen grundlos wird auch hier die Autonomie queerer Personen über das eigene Leben…
… und das eigene Sein entrissen und fremdbestimmt. Fremdbestimmt durch eine Linse, die erneut Menschen, die sich nicht in z.B. romantischen monogamen Beziehungen befinden, ausschließt.
Hier scheint es sich mit den wenigen Sätzen doch eher um „Michelle lässt ihren Partner ran, zum Glück“ zu handeln! Warum müssen das ihre Lesenden wissen? Das kann mitunter für viele Menschen sehr invasiv sein.

Disclaimer
Um deutlich zu werden: „erinnert mich“ soll kein Vergleich sein, sondern rührt aus dem Fundus meiner persönlichen Gedankenassoziationen aus dem queeren Umfeld, die wohlmöglich nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun haben. Danke.

Asexualität ist kein „neues Phänomen“!

Asexualität ist viel älter als 20 Jahren! Ja, auch als Selbstbezeichnung, als Sexualität! Ihre unzureichende Recherche führt zum Erasure asexueller Geschichte, die viele Aktivismusbetreibende mühevoll zusammentragen, oft kostenlos zur Verfügung stellen!

Asexuelle Geschichte ist weitreichend! Und existent! Schon lange vor dem Internet!

Bogaert als Bezugsperson der Wissenschaft auf dem Gebiet der Asexualität ist umstritten, die Informationen(z.B. das berühmte „1% sind asexuell“) sind veraltet. Er schließt u.a. in den eigenen anderen Arbeiten Aces aus. Keine gute Recherchearbeit Ihrerseits.

„Keine sexuelle Anziehung zu spüren ist an sich keine Krankheit oder Mangel, viele Menschen erleben das zumindest phasenweise in ihrem Leben.“

Erster Teil: Ja, danke. Stimmt. Der Rest: Acefeindlich. Warum? Darum:

Asexualität als PHASENWEISE auftretend: Anderes, wiederkehrendes Narrativ allosexueller Berichterstattung.†

Dieses „it’s JUST a phase“ ist allgemein queerfeindlich, wenn extern zugeschrieben, aber ganz besonders aspecfeindlich, da es ganz besonders im Zusammenhang mit Aromantik und Asexualität erwähnt wird.
Nämlich als Waffe. Als wiederkehrende De-Legitimation unserer Identität_en.

„viele Menschen erleben [keine sex. Anziehung phasenweise] in ihrem Leben“

Ich schocke Sie jetzt: Ich schocke Sie jetzt:Niemensch fühlt sich ZU JEDEM EINZELNEN MENSCHEN AUF DER ERDE IMMER & ÜBERALL SEXUELL ANGEZOGEN! 😱

Obwohl sie versuchen, die gedanklichen Fronten zwischen Allo- und Asexuellen zu vereinen, gelingt Ihnen das nur unzureichend. Sie verstehen ihre eigene Allosexualität nicht. Nämlich, dass Sie sich nicht bewusst sind, dass Sie sich nicht immer zu Anderen sex. angezogen fühlen.†††

Was mir auch an Ihrem Titel auffällt, ist die fehlende Erklärung zw. sexueller Anziehung & Libido/Lust/sex drive.Sie definieren (lassen definieren) durchaus richtig. Doch Ihr Titel sagt eher etwas über physischen Empfindung aus, die nicht gleichzusetzen ist mit sexueller Anziehung!

In Teil 1 schrieb ich zuletzt darüber, dass Allosexuelle (Nicht-Asexuelle) sich häufig nicht bewusst sind, dass es auch für sie durchaus normal ist, sich Menschen nicht sexuell angezogen zu fühlen. Sie denken vermutlich nicht darüber nach. Aber in Ihrem Beitrag passiert schon eine Art othering. Indem Sie es so darstellen, dass es bei Asexuellen plötzlich ganz furchtbar neu ist! Bitte arbeiten Sie daran, mit Feinfühligkeit für die eigenen Privilegien zu formulieren.

Ich habe in Teil 1 die Auslöschung asexueller Geschichte kritisiert. Dass Sie Kinseys X erwähnen, finde ich gut. Verbesserung: „Viele Aces benutzen AVEN zum Austausch“. AVEN ist zwar hervorzuheben, sollte aber mit Vorsicht behandelt werden, was die Monopolstellung anbelangt.

Der folgende Abschnitt behandelt bereits kritisierte Punkte. Arofeindlichkeit (Erasure), u.a.! Zudem ‚Partner‘ > Generisches Maskulinum

„Über Menschen, die sich als „asexuell“ bezeichnen gibt es viele Klischees, doch unglücklicher als andere sind sie nicht“

– klar, Asexuelle sind wegen ihre sex. Orientierung so! Nun, abgesehen von den Klischees, die Sie selbst schädlicherweise reproduzieren.

CW: Angstzustände, Depressionen, Suizidgedanken

Diese Arbeit zitieren sich sogar selbst. Das beeindruckt mich.
Die 2010 Arbeit/ Paper behandelt tatsächlich eben jene Auswirkungen von Diskriminierung gegenüber asexuellen Menschen.

„Über Menschen, die sich als „asexuell“ bezeichnen“ ist das neue „you identify as [that gender]“.

Asexuelle Menschen.

Menschen auf dem asexuellen Spektrum.

Asexuelle.

Aces.

Ich bezeichne mich nicht so, ich bin so!

Ich bin asexuell. Kein Grund für detachment (Distanzierung).

„psychosozialen Grundbedürfnis“ „Aber wir müssen kompensieren. Wenn ich zum Beispiel keine Partnerschaft habe, suche ich mir meine Zugehörigkeit und meine Intimität vielleicht bei meinen Freunden und meiner Familie.“

😒

NEIN. Das ist wirklich so amato- und allonormativ.

„ob sie sich als nicht sexuell empfinden.“

Sexuelle Anziehung nicht empfinden. Was heißt überhaupt, sich sexuelle zu empfinden? Sich sexy zu fühlen? Können Aces auch. Oder Lust empfinden; können manche Aces auch.

CW: nonbinary erasure

Die 1% habe ich in Teil 1 angesprochen. GLAAD sagt mitunter 4%.

„Übrigens sind vermutlich mehr Frauen als Männer betroffen.“

  • a) Geschlechterbinarität ist Müll
  • b) niemensch ist BETROFFEN (impliziert Krankheit)
  • c) Sind Frauen nicht! Das liegt an toxischer Maskulinität (Geschlechterstereotype,-rollen,…), fehlender asexueller Sichtbarkeit und Aufklärung, uvm.!

„Für andere Kulturkreise als den europäisch-nordamerikanischen gibt es überhaupt keine Erhebungen.“

Wrong.

Eurozentrismus abschaffen.

„Wer sich mit der Abwesenheit von Lust beschäftigt,“

Sie missverstehen den Unterschied zwischen Libido und sexuelle Anziehung (oder das Empfinde solcher). Gründlichere Recherche würde auch ihrer Leserschaft gut tun. Dieser Unterschied ist vital und spielt eine große Rolle.

Liebes @swr2wissen @SWR2 Grieser, Barwanietz Kölbel:

100 Vorträge von @flauschzelle , Interviews von @literallyMFEO, weiterbildende Aufklärungsarbeit von @NicolasTransgay könnten nicht wettmachen, was Sie mit einer unzureichenden Arbeit an Schaden für die asexuelle Gemeinschaft anrichten. Sie als Medienschaffende haben so viel Macht, aber wie Sie und ihre Kollegschaft (siehe Teil 1) die Endprodukte formulieren, darstellen, teils sogar aktiv inszenieren, um Ihrem Publikum etwas Aufregendes(?) liefern, ist wie so oft schädlich.

Ich habe Ihnen hier kostenlose Aufklärungsarbeit geliefert. Ihnen aufgezeigt, wie viel einfach inakkurat ist. Falsch ist. Unverantwortlich vereinfacht ist. Aber Sie werden keinen Shitstorm bekommen. Keine Sorge. Für Sie ist das Tagesgeschäft. Für andere Aces & mich bedeutet Ihre Arbeit, dass noch mehr Menschen acefeindliche Vorstellungen manifestieren. Diese Menschen glauben gar, sie seien nun gut informiert, dank Ihnen.

Und das ist nicht nur traurig.

Es macht unser Leben schwerer.

Bezahlen Sie für Expertise! Arbeiten Sie mit Menschen, die von solchen Dingen Ahnung haben. Asexuelle Menschen!
Lernen Sie.

Von dieser Kritik.

Pancake

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