Asexuelles WTF: „Mehr Zeit, weil asexuell“?!

"1 Hour on earth is 7 days in space", said by two astronauts, actors of the film 'Interstellar'. The 'ace' part in 'space' is in ace pride flag colours, while the rest of the font is white. The rest of the picture shows a metallic clock with lilac shadows. the minutes are hard to make out since they appear to change very swiftly, indicating time moving faster. the background is in a light, pastel ace pride flag colour.

Ernsthaft: Warum glauben Allosexys, Asexuelle hĂ€tten „mehr Zeit“?
Eine Reise in Popkultur & Amato-Allonormen

…. Or shit allosexuals say

CW Ableismus AllonormativitÀt AmatonormativitÀt Anti-asiatischer Rassismus explizite Aspecfeindlichkeit Kink Gatekeeping Suizid TERF Ideologie Transfeindlichkeit
CN Christentum Menschenfeindlichkeiten Sarkasmus Sex

Liebe asexuelle Gemeinde,

wer lange genug offen mit der eigenen AsexualitĂ€t in Gesellschaft Anderer ist, der kommt irgendwann einmal mit den absolut komischsten Dingen in BerĂŒhrung, die sich Allosexuelletm nur ĂŒber uns Asexuelle ausdenken können. Und ‚komisch‘ meint hier ‚zutiefst lĂ€cherliche Annahmen‘.
Ich meine, Karten auf den Tisch, liebe Aces: Allosexuelle sind zweifellos meisterhaft darin, das, was sie fĂ€lschlicherweise unter AsexualitĂ€t verstehen (wollen), stets auf Neue zu erweitern (Highlights in der „AsexualitĂ€t ist NICHT
„-Liste), wĂ€hrend der Rest sich denkt, warum sie ihre KreativitĂ€t nicht fĂŒr etwas NĂŒtzlicheres einsetzt. Das Reinigen der Regenrinne wĂ€re mal wieder dran. Oder so.

Da ich laut Allosexuellen kein Mensch1 bin (greatings, fellow aces from outer spaces đŸ––đŸ»đŸ›ž), kann ich eben auch nicht wissen, womit die selbsternannten „Normalen“ anscheinend ihre Zeit verbringen. Zumindest meinen sich Allosexuelle in sĂ€mtlichen gesellschaftlichen Kontexten fĂŒr normal zu halten.
Nun, sie scheinen auf jeden Fall schwer beschĂ€ftigt zu sein, so meine Vermutung. Denn was mir zu Ohren gekommen ist, lĂ€sst letztlich nur diesen einen RĂŒckschluss zu. Ich prĂ€sentiere Euch eines der wirklich lĂ€cherlichsten Schreckgespenster ĂŒber Asexuelle ĂŒberhaupt:

„Du bist asexuell? Du musst ja so viel Zeit haben! đŸ˜©

A groundhog showing its back, then dramatically turn around with its eyes widened. The camera is zooming in on its face. The groundhog's fur is of beige colour, the background has orange and dark blue baloons, while the rest is of a lighter shade of blue. The ground is neon red.
Wenn ich Allosexuellen beim Verbreiten heißer Luft zuhören muss…

Und ich muss Euch, liebe asexuelle Comrades, sagen, …
ich glaube, die meinen das ernst!

Oftmals garnieren Allosexys es mit einem neidischen Unterton „Ach, ich wĂŒnschte, ich könnte das auch“ oder „Ugh, ich vermisse, es asexuell zu sein„, als seien sie je wirklich2 asexuell gewesen. Dass es sich hier vielmehr um ein ZurĂŒckwĂŒnschen in einen prĂ€-pubertĂ€ren (Hormon-?) Zustand handelt, interessiert sie leider kaum – selbst, wenn die Gleichsetzung mit AsexualitĂ€t natĂŒrlich absoluter Quark ist. Nicht minder unzutreffend ist auch das gewollt abstinent Sein oder schlicht die Annahme, dass eins alleine schon deswegen asexuell genannt werden sollte, weil fĂŒr einen gewissen Zeitraum kein Sex gehabt wurde.

Diese Art von Aussagen wĂŒrde ich gemeinsam mit dem virtue signaling oder wohl mehr der performative admiration des bisweilen auffĂ€llig-ĂŒberschwĂ€nglichen Fake-Enthusiasmuses eines „AhhhsexualitĂ€t finde ich ja sooo interessant!“ in ein und dieselbe Typisch-Allosexy-Schublade verorten. FamiliĂ€re vibes, die eins auch beim allseits verhassten „Schwulen BFF“-Trope wiederfindet, welches, offengestanden, bis zum heutigen Tage zu gerne von zu vielen heterosexuellen cis Frauen genutzt wird. Aber ob nun vorgespielter Neid oder falsches Interesse:
Es zeigt sich letztlich sehr schnell und deutlich, dass dieses mit affektiertem Friede-Freude-Eierkuchen triefende „Ace Allyship“ eigentlich zum flotten Sinken bestimmt ist. Denn wenn mensch solche Versuche durch ausbleibende Gegenreaktion ins Leere laufen lĂ€sst („‚See, I’m super down with asexuals‚-Köder wurde nicht geschluckt; mission abort!“) und die unangenehme Stille folgt oder, ganz gegenteilig, ein wenig nachhakt, was denn jetzt genau „sooo interessant“ an AsexualitĂ€t sei, folgt von allosexueller Seite nicht selten das automatisierte Abgrenzungsverhalten:
Also *ICH* könnte das ja nicht!„.
Auch hier findet sich die nahe Verwandtschaft zur Defensive vieler nicht-queerer Heterosexueller wieder, die sich wie ein roter Faden der Pseudotoleranz durch Queerness-thematisierende GesprÀche zieht.
Haha, Ă€h, das ist cool, … dass Du [queer] bist, ha ha! Ist voll nicht *mein* Ding,… aber, Ă€hm, nice…?
Mir ist es egal, ob Du einen Stuhl heiratest.“ (O-Ton einer ehemaligen Kommilitonin)
Allo Fragility3, eben!
Zugegeben, vielleicht treffe ich ausschließlich auf die fragwĂŒrdigsten Allosexuellen ĂŒberhaupt, und es handelt sich bei „Asexuelle mĂŒssen ja soo viel Zeit haben!“ um keine etablierte Aussage der Marke ‚shit allosexuals say‚.
Meine Geduld als asexuelle Person fĂŒr affektierte allosexuelle Neugierde ist jedenfalls zu erschöpft (Mystifikation in ‚PhĂ€nomen AsexualitĂ€t‘, ahoi!), als dass ich wieder und wieder token-mĂ€ĂŸig fĂŒr sie Modell stehe. Der Drache unter den Einhörnern: Zu selten, um die Chance entgehen zu lassen, sich selbst mit leerer Phrasendrescherei zu blamieren. Nun schnaubend-protestierende bootlicker und Liebhabende von respectability politics, mit denen ich faktisch eine Community teile, wissen, dass ihr Atem an mir wahrlich verschwendet ist und sich das ZĂ€hne Ausbeißen an meiner Person nicht lohnt, wenn sie eins mal wieder vorwerfen möchten, dass jene harsche AttitĂŒde meinerseits hier ja „eigentlich der gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz Asexueller schĂ€dlich“ sei.
Zeit, meine GrundĂŒberzeugungen von konservativen, regressiven Aces zur Diskussion stellen zu lassen, habe ich dann tatsĂ€chlich leider keine.

Erstrebenswert einfach

Welche Aussage nun von der alloprivilegierten Seite jedoch uneindeutig dem Fass den Boden ausschlĂ€gt, ist zu behaupten, Asexuelle hĂ€tten es ja „einfach!

WAS ZUM KUCKUCK?!

„Einfach“? „EINFACH“?! Im Vergleich zu wem, bitte? Zur allosexuellen Mehrheitsgesellschaft? Wirklich? Soll das ein Witz sein und wenn ja, wo ist die Pointe? Allosexuelle sind derartig unfĂ€hig – nein, unwillig, – sich ihrer allosexuellen Privilegien bewusst zu werden (offengestanden glaubt ja ein guter Prozentanteil nicht einmal, dass es jene allosexual privileges existieren, was nun wiederum aufzeigt, fĂŒr wie selbstverstĂ€ndlich und universell sie ihre Erfahrungsweisen halten), dass sie rĂŒckhaltlos glauben, Asexuelle hĂ€tten es in dieser Welt „leicht“. Oder leichter. Das beleidigt mich. Zutiefst.

Allosexuelles Privileg bedeutet die Möglichkeit, die Existenz eines solchen Privilegs verneinen zu können, wĂ€hrend Asexuelle stets benachteiligt werden und der erdrĂŒckenden herrschenden AllonormativitĂ€t, die wir tĂ€glich ertragen mĂŒssen, ausgesetzt sind!

Aus: Asexuelle Identifikation

Liebe asexuelle Gemeinschaft, hier spricht meine Wut.
Wie weit entfernt mĂŒssen Allosexies von unseren LebensrealitĂ€ten sein, um allen Ernstes derartige Aussagen zu treffen? Nicht nur das: AllonormativitĂ€t erschwert uns tagtĂ€glich das Leben. Die Unsichtbarkeit, die Erwartungen, der Druck, der auch noch oft zusĂ€tzlich von queeren Mitmenschen kommt, die vielfĂ€ltigen Diskriminierungen, die uns selbst unserer Menschlichkeit berauben wollen, der fehlende Schutz und unterstĂŒtzende Strukturen – all das wirkt sich nachweislich negativ auf unsere Gesundheit aus, bis hin zu einem erhöhten Suizidrisiko fĂŒr asexuelle Menschen. Wem haben wir diese Konstrukte zu verdanken? Dieses System – denn ja, Allonorm ist systematisch verankert – erhalten in erster Linie nicht Asexuelle aufrecht, wobei selbstredend Internalisierung durchaus kritisch begutachtet und wieder und wieder hinterfragt werden muss.
Und dann sagen Allosexuelle uns aus ihrer Machtstellung anschließend, wir – als sexuelle Minderheit – hĂ€tten es einfach.
Sagt mal, was ist das denn bitte fĂŒr eine Illusion?!

Wichtig ist, dass wir selbst unter dem VerstĂ€ndnis von asexueller IdentitĂ€t nicht dem Gedanken anheimfallen dĂŒrfen, es handele sich bei Asexuellen um eine durch und durch homogene Gruppe mit nur dem einen Asexuellen Erfahrungsschatztm, in der es alle gleich schwer oder einfach hĂ€tten. Dem ist nicht so: Die asexuelle Community ist (wie alle anderen Gruppen auch) nicht monolithisch! Alleine die Vielfalt der persönlichen VerhĂ€ltnisse zu Sex unter asexuellen Menschen divergiert enorm und ermöglicht nicht selten durch und durch andere Erlebnisse. Alles geeint durch unsere sexuelle Orientierung. Nicht einmal Acefeindlichkeit wird fĂŒr alle Menschen auf dem asexuellen Spektrum deckungsgleich erfahren, wenn wir bedenken, wie sich Diskriminierung und Benachteiligung durch rassistische, ableistische, saneistische, dickenfeindliche Praxis und/oder durch geschlechter-basierter Gewalt ĂŒberlappt und so multiplizieren und rekonstituieren kann (IntersektionalitĂ€t).

Leseempfehlung AZE Journal: „A white asexual person will never understand my struggle as a black asexual person.“ von SinEater_Danyi

Um hier thematisch vorzugreifen, sei an dieser Stelle besonders die Überlappung von stereotyper Charakterisierungen wie Effizienz, Roboter-/Maschinenhaftigkeit (Nick Haslam 2006, Personality and Social Psychology Review) und/oder GefĂŒhllosigkeit (LiyaYu 斻俐雅 @LiyaYuBerlin) durch die Aufrechterhaltung und Fortsetzung anti-asiastischer Diskriminierung hervorzuheben. Diese entmenschlichenden Abwertungen und Zuschreibungen gehen oft zusĂ€tzlich (in unterschiedlichen Kontexten) mit mannigfaltigen Diskriminierungen von fetischisierender Exotisierung, ĂŒber sexuelle Bedrohlichkeit durch Hypersexualisierung als auch mit Desexualisierung, in der Regel spezifisch mit Geschlechterrollen verknĂŒpft (Asian American Women and Men: Labor, Laws, and Love, Yen Le Espiritu 1996, ‚Antiasiatischer Rassismus in Deutschland; Suda, Mayer & Nguyen 2020, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung), einher. Teils wird in Publikationen explizit vom Stereotyp asexueller MĂ€nnlichkeit als Synonym fĂŒr ‚desexualisiert‘ und des durch white supremacy propagierten „Verfehlens“ des westlich-eurozentrischen (dem inhĂ€rent cis- und endonormativen) „Geschlechterideals“ von Mannsein gesprochen.
Im immer beliebter werdenden Cyberpunk Genre (Yang 2020, WIRED) wĂŒrden laut Dylan Yeats (Autor) zudem speziell anti-japanischen Ressentiments (Anti-Japaneseism) aufgegriffen, die durch Bedienung rassistischer Klischees als „Ängste4 um Techno-Orientalismus“ (Professor Rivera, Boston University, English Department, Gelehrter, Poet und BĂŒhnenautor) weiteres Racial Othering betrieben.

Es muss uns an dieser Stelle also ganz besonders bewusst sein, dass die nachfolgenden Thematiken nicht gleichwertig (be)treffen. Davon auszugehen, dass es die eine universelle LebensrealitĂ€t fĂŒr sĂ€mtliche Asexuelle gĂ€be, ist ein großer Fehlschluss und löscht die spezifischen soziopolitische Wirklichkeit und diversen Gegebenheiten vieler Menschen gĂ€nzlich aus.

Du hast es einfach! Du bist asexuell!

„@people saying asexuals have it easy: looked at the tag recently? It’s absolutely full of people saying they don’t think asexuality is real, or that asexuals don’t belong in the queer community because we pass as straight. It’s also full of asexuals talking about coming out and being told that this is just a phase, that they need sex to live a full life, that something is wrong with them. And that’s just public response. Being asexual complicates other aspects of life as well, from your own thoughts to relationships to living in a hypersexualized society. It ain’t a walk in the park. We just make it look easy.“ – aleatoryw

Wie kommt es nun dazu, dass Allosexuelle glauben, Asexuelle hÀtten mehr Zeit, hÀtten es gar einfacher im Leben?

Auf der Reise, woher diese falschen Auffassungen stammen mögen, kamen mir folgende, mit Verlaub nicht ganz ernstzunehmende Ideen:

Behold, a deep dive into the allosexual tm mind

  • Allosexuelle denken jede drei Sekunden an Sex, was wiederum ihr Leben ziemlich erschweren muss. Ich hab‘ das mal bei der sehr wissenschaftsbasierten Pro7-Sendung ‚Galileo‘ gehört, also muss das stimmen!
  • Allosexuelle verheimlichen uns, dass sie ihre komplette Freizeit mit Dating usw.verbringen. Es vielleicht gar parallel in sĂ€mtliche nicht-freizeitliche AktivitĂ€ten einbinden.
  • Wollen Allosexuelle demnach implizieren, dass so viel Sex normal wĂ€re, dass jene, die diesem Anspruch nicht genĂŒgten, ein lebenserleichternden Nettogewinn in ihrem Zeitkontingent vorzuweisen hĂ€tten?

Bei aller hyperbolischen Rhetorik, die ich mir behelfsmĂ€ĂŸig in oben verfassten Aussagen gegönnt habe, wollen wir an dieser Stelle keinerlei Urteile fĂ€llen oder gar selbst jene pathologisieren, deren Leben z.B. durch hypersexuelles Verlangen negativ belastet wird.

Ein ĂŒberzogener humoristischer RĂŒckzug, weil es so verdammt anstrengend sein kann, Allosexuellen den KĂ€fig aufzuzeigen, welchen sie sich selbst aus ihren teils stark hinfĂ€lligen sozialen Konstrukten, Rollenzuschreibungen und Allonormen gebaut haben. In ihrer naiver KĂŒhnheit dann ernsthaft mit „Ich wĂŒnschte, ich wĂ€re asexuell“ zu entgegnen, frustriert ungemein. Gerade, wenn es um das öffentliche Beklagen ihrer romantischen Misserfolge geht. Wenn sie nur eine Meile in unseren RealitĂ€ten verbrĂ€chten…


Den Wunsch, asexuell zu sein, wĂŒrden sie sicher nicht mehr laut Ă€ußern.
Anders als in einem fiktiven ‚ace for a day‘-Gedankenexperiment können wir Leute auf dem asexuellen Spektrum nicht einfach aus unserer sexuellen Orientierung rein- und rausspringen, wie es uns genehm ist. Wir haben jeden einzelnen Tag mit der ignoranten, asexuellenfeindlichen Umwelt zu kĂ€mpfen. Einer asexuellenfeindlichen Umwelt, die sich in der Vergangenheit aktiv und systematisch darum bemĂŒht hat, uns einreden zu mĂŒssen, AsexualitĂ€t heilen zu lassen (Hypoactive Sexual Desire Disorder, Asexuelle gehören laut UK’s National LGBT+ Survey 2018 mit zur am stĂ€rksten bedrohte Gruppe durch Konversionstherapie „behandelt“ zu werden). Einer asexuellenfeindlichen Datingwelt, die uns inhĂ€rente InkompatibilitĂ€t attestiert, sollten wir uns in ihr bewegen wollen.

Nun sind auch viele Allosexuelle alles andere als scheu, die von ihnen wahrgenommene Andersartigkeit unserer Selbst immer wieder auf’s Neue aufzuzeigen.

Die fĂ€lschliche Auffassung hinter jenen waghalsigen Vermutungen (‚Asexuelle Menschen haben mehr Zeit; sie befinden sich wegen ihrer sexuellen Orientierung in einer problemreduzierten Lage‘) entstammen der Grundlage einer gesellschaftlich stigmatisierten Stellung von AsexualitĂ€t. Genauer solche, die uns in den Köpfen vieler Menschen als roboterhaft, gefĂŒhlskalt und effizient stereotypisieren. Dem MissverstĂ€ndnis, wir Asexuellen wĂŒrden alle nicht an Dating teilnehmen – und dass das etwas prinzipiell Verwerfliches, aber erwĂ€hnenswert Zeitsparender wĂ€re. Uns nicht ablenken lassen wĂŒrden, von den „menschlichen“ Instinktiven; wir seien abgeschnitten von der „menschlichen“ GefĂŒhlswelt, die uns ja doch so fehlen wĂŒrden. Unsere vermuteten sexuellen InaktivitĂ€ten wĂŒrden uns ominöse zeitliche FreirĂ€ume schaffen; unsere innewohnende unsexuelle / unsexy „Aura“ in Verbindung mit sozialer Unbeholfenheit, Unreife und NaivitĂ€t bei all things sex addierten sich allesamt zu weiteren Klischees ĂŒber Asexuelle, die uns zwar als Außenseiter vom Zirkel der populĂ€ren Kids exkludieren, aber uns immerhin das soziale Drama erspart.

Der „normale“, sprich allosexuelle, Mensch wĂ€re mit „Makeln“ behaftet, aber auf eine ungemein gewinnende Weise.
Asexuelles Leben wird mit dem Bild eines durch stilles EinverstĂ€ndnis „irgendwo verbessert“, aber kalten Roboters kontrastiert. So gehen einige Menschen sogar soweit, das Auftauchen asexueller Menschen als ein „evolutionĂ€res Zeichen der Erde“ auf den rassistischen und ableistischen Überbevölkerungsmythos auszulegen – wir seine eine „genetische Antwort“, eine neue „Entwicklungsstufe der Menschheit“.
Diese unbelegte, hanebĂŒchene Spekulation wird glĂŒcklicherweise nur von einer kleinen Minderheit vertreten, doch macht sie deutlich, auf wie vielen Ebenen AsexualitĂ€t die Vorstellung vom Menschsein herauszufordern (oder gar zu bedrohen) scheint. Demnach auch meine Hypothese, dass die Stereotypisierung mit emotionaler KĂ€lte, Abgewandtheit vom „Interessenbereich normaler Menschen“, PhĂ€nomenstatus und bestimmtem (ableistischem) Labelling als „abnorme Kreaturen gegen die Natur“ weitere, womöglich unterbewusste Assoziationen sind – herbeigezogen, um sich die Andersartigkeit Asexueller zu erlĂ€utern (PSA: asexuelles Existenzrecht muss nicht entrĂ€selt werden). Die sich zwangslĂ€ufig anschließende Schlussfolgerung unterstellt Asexuellen per se eine maschinenĂ€hnliche Existenz:
Kein Mensch mehr, schon gar nicht „besser“, sondern ein Roboter.
Hier schwingt auch ein klar anti-aromantisches Momentum mit und durchzieht zusĂ€tzlich durch die inhĂ€rente Gleichsetzung von AsexualitĂ€t mit Aromantik (und jener wiederum mit ‚datet nicht‚ und ‚nicht/niemals auf der Suche nach committed zwischenmenschlichen Beziehungen ‚) diese aspecfeindlichen Annahmen. Ich möchte spezifisch zusĂ€tzlich sagen, denn auch Asexuelle werden als kalt und unmenschlich gesehen (siehe Not cold, not emotionless — just asexual, Shadler, 2017 ; Things asexuals really wish you’d stop asking them, BBC3 2018; Intergroup bias toward “Group X”: Evidence of prejudice, dehumanization, avoidance, and discrimination against asexuals MacInnis & Hodson, 2012, „Linking #asexual and #aromantic nature to asocial and arrogant behavior, makes aromantics and asexuals look cold-hearted machines.Sonawane, 2020). Angesichts des GefĂŒhls von omniprĂ€senter Isolierung als asexuelle Person in einer hypersexualisierten Welt, die von allonormativen Regeln bestimmt wird, schmerzt ein solches Abgestempeltwerden deutlich stĂ€rker.

Embracing the Stereotype

SelbstverstĂ€ndlich ist das Zueigenmachen dieser eindeutig negativ konnotierter Stereotype durch aspec Individuen ein mitunter subversiver Akt, dem mensch fĂŒr so viel StĂ€rke bei gesellschaftlich manifestiertem Gegenwind nur applaudieren kann. An diesem radikalen Akt gegen anti-aro und anti-ace Ressentiments durch ein Embracing, eines fast provokativen Willkommenheißens auf dem Weg einer möglichen Reappropriation also, ist nichts per se verwerflich, solange es von Individuen besagter Communities selbst kommt und nicht extern auferlegt wird. Das Alleinsein feiern, wie es Schatzberger ungemein treffend formuliert, zum Beispiel.

Mir persönlich sagt hier speziell das Trope dexs asexuellen (mehr als oft eindeutig neurodiversen) Wissenschaftlerxs zu; obsessiv fokussiert in dexxen Leidenschaft fĂŒr knallharten Fakten, Wahrheit und (Natur)Wissenschaft! So spiele ich sehr gerne im Privatleben mit diesem Image, diesem asexuellen Stereotyp, das dafĂŒr geschaffen wurden, um Scham auszulösen und mache es mir trotzig zu eigen.
Addendum: Hoffentlich stimmen wir kollektiv ĂŒberein, dass die Annahme der „Einen Objektiven Wissenschaft“ (siehe hier) durchaus problematisch sein kann. Wissenschaft wird von Menschen betrieben, die zwar versuchen, so etwas wie eine objektive Abbildung der RealitĂ€t durch Verifizierung oder Falsifizierung von Hypothesen empirisch zu belegen oder sich ihr anzunĂ€hern. Doch bleibt es aber dabei, dass letztlich Menschen am Werk sind, die planen, die analysieren, die interpretieren. Menschen mit all den Verfehlungen, mit ihren preconceived notions – also inklusive ihrer Vorurteile, Privilegien, etc., die ihr Denken und Handeln beeinflussen und demnach auch zu einem gewissen Grad die der anschließenden Interpretationen und Ergebnisauslegungen. Es darf nicht vergessen werden, dass im Namen der Wissenschaft Rassismus, Ableismus und viele weitere gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten gerechtfertigt wurden und werden. Auch sollte uns die gesellschaftliche Stellung von Naturwissenschaften bewusst sein, die eine gĂ€nzlich anders betrachtet wird, verglichen mit der diverser Geisteswissenschaften.

Die tiefere Auseinandersetzung mit genannten anti-asexuellen und (ĂŒbergreifender) anti-aspec Vorurteilen macht deutlich, dass sie aromantischen und asexuellen Leuten genau das entziehen wollen, was Viele fĂŒr liebenswĂŒrdige, warme, menschlich relatable, nahbare, sympathische Charaktereigenschaften bei einem Menschen erachten.
Was bleibt ist Dehumanisierung.

In the presence of sexual normativity, abnormality and dehumanization arise as prominent themes related to marginalization and stress for asexual people.

Dr. Aasha Brianna Foster-Mahfuz, Measuring Social Invisibility and Erasure: Development of the Asexual Microaggressions Scale
Mehr zum Thema: „Allosexuelle Vermenschlichungsversuche“

Und noch bevor ich mich aus Freude zum Beruf und zum Trotz der Allonorm komplett in den Prozess des Reclaimings stĂŒrzen kann, kommt’s mir hoch: Der Posterboy aller Nerds, neurodivers- und aroace-gecodeter Dr. Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory erinnert mich und bis vor kurzem Zeit noch die US-amerikanisch geprĂ€gte Popkultur selbst, welche bewusst abgrenzende Witzfigur wir fĂŒr Zuschauende darstellen. Da vergeht mir schlicht die Lust. Auch das haben uns die nt Allos kaputt gemacht.

Ein Handychatverlauf. Vera, Aloe:"AsexualitĂ€t finde ich an sich wirklich verdammt interessant. Bist Du also das? WĂŒrdest Du das von Dir sagen?" Handy Owner: "100% ace," Vera:" Ich bin ehrlich, ich kann's mir persönlich nicht richtig vorstellen, aber ich vermute mal, damit bleiben Dir einige Probeleme im Leben erspart und Du kannst Dich auch besser konzentieren? :)" Owner: "..."
Folgendes Inszenierung eines Austausches ist selbstverstĂ€ndlich rein „fiktiv“ und jegliche Ähnlichkeiten zu wahren Begebenheiten dexs Autorx sind rein zufĂ€lligen Ursprungs /s © iphonefaketext.com

ErgrĂŒndung eines Pseudo-Ideals

Ich fĂ€nde es beinahe belustigend, wenn es nicht so unheimlich verbittern wĂŒrde, dass Allosexys versuchen, dieses Bild eines „BesserMenschen„oder eben vielmehr die nicht-menschliche, mitunter an­t­a­go­nis­tische Kopie in maschineller Form eines Roboters (oder fĂŒr die nicht weniger verletzende Variante einer Pflanze) zu kreieren, um sich nicht mit der (ihrer Ansicht nach) „komplexen“ Welt asexueller Menschen auseinandersetzen zu mĂŒssen. Daher stammt auch dieses „Ich kann’s mir nicht richtig vorstellen“ (Grafik rechts); lieber eingestehen, dass dieser Minimalaufwand, uns Asexuellen unsere ganz eigene Menschlichkeit einzugestehen, schwer bis unmöglich ist, als vielleicht mal ein klein wenig Arbeit hereinzustecken und das eigene VerstĂ€ndnis schĂ€rfen, was sexuelle Anziehung ist, wie sie die Norm bestimmt und das gesellschaftliche Leben beeinflusst. Letztlich nachzuvollziehen, dass die allosexuelle Sichtweise eben nicht universell ist. Aber Himmel, wir alle sind uns schmerzlich bewusst, dass diese Einsicht einfach zu viel verlangt ist fĂŒr die „DauerbeschĂ€ftigten„!

Die Komponente ‚Zeit‘ scheint Allosexuelle ohnehin im Kontext von AsexualitĂ€t stets zu beschĂ€ftigen. SĂ€tze wie „Du wĂ€chst da [:aus AsexualitĂ€t] mit der Zeit noch raus“ oder „Jedermensch wird im Alter asexuell“ bekommt eins ab und an zu hören oder werden immerhin oft genug in regelmĂ€ĂŸiger UnregelmĂ€ĂŸigkeit impliziert. Es zeugt erneut von den weit verbreiteten Unwahrheiten, die ĂŒber die asexuelle Community in unserer Gesellschaft zirkulieren. Das Auflösen und ErlĂ€utern, warum zum Beispiel Menschen im Alter nicht allesamt asexuell werden und hierbei Ebenen durcheinandergebracht werden, die nun erst mal nichts mit unserer Orientierung zu tun haben, braucht neben viel Geduld auch wieder etwas von uns Aces: Zeit!

Doch vielleicht mag das gar stimmen, mit dem Zeithaben. Nicht, dass Asexuelle tatsĂ€chlich mehr Zeit hĂ€tten, sondern im Umkehrschluss: Dass ihr Allosexuellen weniger Zeit fĂŒr uns habt. Oder haben wollt. Ihr teilt Eure BESTEN Momente im Leben lieber mit romantisch-sexuellen Partnerpersonen, als mit euren nicht-sexuellen Freundschaften. Eine Beziehungshierarchie, die gesellschaftlich grundiert ist, System hat und steuerlich auch noch begĂŒnstigt wird, wenn monogam.

Nun, hier muss ich nun wieder kritisch anmerken, dass, verglichen zur nicht-queeren Mehrheit, kein unfairer Doppelstandard hinsichtlich Erwartungen an sĂ€mtliche allo Queers angelegt werden darf. Zu meinen, dass gerade ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und/oder committed partnership_s allesamt frei von Hierarchie sein mĂŒssten, Choosen Families als Konzept fĂŒr jedermensch herhalten sollte, etc., wĂ€ren als ĂŒbergreifender Anspruch fatal. Es ist einfach nuancierter zu betrachten, als nun eben den Zeigefinger zu erheben uns zu proklamieren, „Allo Queers sollten…!“.

Doch mĂŒssen wir andererseits der RealitĂ€t ins Auge sehen: Die Verbitterung vieler aspec Leute wegen jener gesellschaftlich normierten Privilegierung und Priorisierung bestimmter Beziehungskonzepte (auf politischer und privater Ebene) ist legitim. So auch ĂŒber die allo-fragile Unwilligkeit, Aspec Culture als queeres Gedankengut ernst zu nehmen, von uns zu lernen und dieses als zur Vielfalt der Möglichkeit fĂŒr zwischenmenschliches (Nicht)-Beisammensein beitragend zu etablieren (z.B. QPRs, queerplatonische Beziehungen). So wohnt in mir zum Beispiel klammheimlich die Angst, verlassen zu sterben. Nicht die Angst, alleine zu sterben, sondern ohne befreundete Mitmenschen in einem Heim zu verweilen, die vor 30 Jahren noch versicherten, ich sei Teil ihrer Familie. Mich aber kurz vor’m Abkratzen doch lieber links liegen lassen, weil old allonorm habits die hard. Am Ende wĂŒrden sie alle zu ihren sexuell-romantischen Partner_innen gehen und mich vergessen.
FĂŒr Viele von uns braucht es aber kein nahendes Dahinscheiden, um solche schmerzhaften Erfahrungen zu machen. Zu sehen, dass mensch einem Anderen gerade nur solange wichtig ist, bis GegenĂŒber die „eine“ (oder schlicht die nĂ€chste) romantisch-sexuelle Partnerperson trifft, ist eine verdammt bittere individuelle Realisation eines Systems, welches uns alle lehrte, gewisse menschliche Verbindungen bevorzugt zu behandeln.

Zeit. Arbeit. Effizienz. Feuchter capitalismo-Traum

Um noch noch eine weitere Facette hinter den möglichen UrsprĂŒngen dieses Pseudoideals aufzudecken, begeben wir uns nun fĂŒr kurze Zeit auf eine Ebene, die sicherlich ein von Dante beschriebener Höllenkreis sein muss: Neoliberalismus.

Im Neoliberalismus sorgt sich der Markt um Dich und Deine BedĂŒrfnisse. Wartet, Korrektur: Der Markt regelt das schon. FĂŒr Dich, natĂŒrlich. Sagt Dir, was Deine BedĂŒrfnisse sind (Spoiler: Es ist Konsum). Macht Dir deutlich, was an es an Dir zu regeln gibt (Spoiler #2: Optimierungszwang und so). Perfekte Bedingungen also fĂŒr die treibende Kraft: Entering Capitalism!
FĂŒr den Kapitalismus gibt es bekanntlich nur eins: Profit! Er ist eiskalt, kĂŒmmert sich ja eigentlich doch nicht um Deine GefĂŒhle und stellt das Leistungsprinzip an erster Stelle. Im Kapitalismus kann alles kommerzialisiert werden – Romantik und Sex sind davon nicht befreit. Queerness, einst im Grundgedanke radikal und Anti-Establishment, verkommt im eigens geschaffenen rainbow capitalism zur konsumierbaren Ware. Von manchen Aktivismusbetreibenden gar aktiv als branding und zur Vermarktung genutzt, kann es in ansprechender ReprĂ€sentation mit Schleifchen zurĂŒck an die eigene Community verkauft werden. Oder es wird dafĂŒr eingesetzt, um eine MarktlĂŒcke von bislang Konsumunwilligen zu erschließen und diese auszubeuten (Alkohol und Asexuelle). Und weil natĂŒrlich so viele von uns sich nach all der Zeit nichts sehnlicher wĂŒnschen, als ein Hauch fassbarer Hoffnung, geben auch wir gelegentlich der LĂŒge nach, queerer Konsum mache uns glĂŒcklich.

Durch eine kontextuelle Betrachtung in neoliberalen GesellschaftsverhĂ€ltnissen wird nun die Besetzung der Eigenschaft „effizient“ noch verstĂ€rkt – insbesondere, wenn die (spĂ€t)kapitalistische Verwertungslogik mal wieder hart einkickt. „Sollten wir uns nicht geehrt fĂŒhlen von dieser ‚positiven Diskriminierung‘? Welch‘ erstrebenswerter Zustand!„, sĂ€uselt eine giftig-sĂŒĂŸe Stimme im Hinterkopf. Sie hat die selbe Frequenz wie meines Tinnitus, wenn ich mich ĂŒberarbeite, aber noch in meiner Verbissen nicht von meiner Arbeit ablassen kann. „Schuften“! „Malochen“! Ich arbeite effizient, also bin ich. Die Ma­ni­fes­ta­ti­on eines Ideals zur ErfĂŒllung meines „gesellschaftlichen Selbstzwecks“ im Kapitalismus. Oder wohl eher Infestation.

Und wĂ€hrend ich ĂŒber roboterhafte Existenz geprĂ€gt durch harte Arbeit (: Ausbeutung) sinniere, kommt mir urplötzlich George Orwells ‚1984‘ in den Sinn. Wie mich die Angst beschleicht, Allosexuelle glaubten vielleicht, asexuelle Menschen wĂŒrden bei jeglicher Chance einer „Übernahme“ ebenso eine Junior Anti-Sex League (je nach Ausgabe ‚Jugendliga gegen SexualitĂ€t‘ bzw. ‚Junioren-Anti-Sex-Liga‘) grĂŒnden, auch physische Anziehung zur Strafe stellen, stellvertretend fĂŒr die Partei ihren sex instinct „töten, verzerren oder verdrecken“ wollen. Im Namen der Effizienz. Ablenkung verboten.

Ob nun diese Verbindung einer obskuren, albtraumhaften asexual agenda weit hergeholt ist oder nicht:
So einige Allosexuelle scheinen doch insgeheim die BefĂŒrchtung zu hegen, Asexuelle wollten ihnen „ihr Sexleben wegnehmen“ (ein Beispiel fĂŒr sex negativity, Sex NegativitĂ€t). Vielleicht haben sie ja auch Angst, dass sie so behandelt werden wĂŒrden, wie mit uns Asexuellen umgegangen wird: Vorgeschrieben bekommen, was „gesund“ und „ungesund“ an unserem Sexualverhalten oder gar SexualitĂ€t sei, pathologisiert, medikalisiert, gar „konvertiert“ werden sollen. Das Framing, AsexualitĂ€t mit sex negativity gleichzusetzen, kann gerade in Ace Exclusionism & Gatekeeping-Propaganda beobachtet werden.

Dass nichts weiter davon entfernt sein könnte und Asexuelle sich in ihrer queerpolitischen Position nie fĂŒr autoritĂ€re Fremdbestimmung ausgesprochen haben, sondern im Gegenteil stets fĂŒr sex positive Autonomie eintraten, wird in diesem „Diskurs“ leider ausgeblendet. Umso besorgniserregender ist hierbei die zunehmende Gefahr der Ausbreitung eines solchen repressiven Gedankenguts innerhalb anti-asexueller queerer Kreise durch faschistoides TERF- und RadFem-Recruiting, die nachweislich den so genannten „Ace Discourse“ (als Begriff eine komplette Verharmlosung des Ausschlusses Asexueller von der LGBTQIA+ Community durch Mobbing, gezielter Online-BelĂ€stigung und dogpiling von Hassbotschaften, mitunter Todesdrohungen, oder hier) fĂŒr ihre Zwecke aktiv instrumentalisiert. Ein gemeinsames Einschwören gegen eine bestimmte, schwĂ€cher in der breiten Community positionierte Gruppe (in dem Falle Asexuelle), um dann nach und nach die Toleranzgrenzen empfĂ€nglicher Menschen pro Gatekeeping durch hassschĂŒrende LĂŒgen abzubauen und zu begrenzen („keeping the communities‘ gate closed„). So werden in einigen jungen LGB-Kreisen, auf manipulativen Radikalisierungsprozessen gipfelnd, transfeindliche Ideologien salonfĂ€hig gemacht. Wer nĂ€mlich sofort mit der TĂŒr ins Community-Haus fĂ€llt (AusĂŒbung transfeindliche Gewalt), der verprellt womöglich eine ganze Menge Opportunist_innen. Erstmal „belustigendes“ Online-Bashing einer aufstrebenden, aber doch noch zu andersartigen Gruppe betreiben (Annahme ja, dass Asexuelle sich nach wahrer UnterdrĂŒckung „sehnten“), bevor die „großen GeschĂŒtze“ aufgefahren werden.

Die sexuelle Verwertunglogik im Rahmen asexueller IdentitĂ€t definiert sich primĂ€r durch den Fokus auf Nicht-Asexuelle. Wer genau hinschaut, trifft hinter der offensichtlichen Fassade – wie sollte es anders sein – Spuren von Tabuisierung und sexueller Fremdbestimmung.
Es verwundert daher kaum, dass in einer durch AllosexualitĂ€t geprĂ€gten Gesellschaft unsere Existenz und unsere Lebenserfahrungen stetig im Fokus dieser Bewertung steht. Unsere asexuelle Minderwertigkeit könne nur dadurch Mehrwert erlangen, wenn wir uns in den Dienst der allosexuellen BedĂŒrfnisbefriedigung begĂ€ben. Autonomie und das Centern unserer WĂŒnsche wird nicht erlaubt oder nur als Nichtigkeit belĂ€chelt.

  • Asexuell und hast keinen Sex?
    • Negativ besetztes Stereotyp; „Du musst es probiert haben„; Absprache der IdentitĂ€t
    • Du wirst als wertlos abgestempelt; „eignest“ Dich nicht fĂŒr eine romantische Beziehung (mit Allosexuellen; „bleibt unter Euch„);
    • „Sonst wĂŒrde die Menschheit doch aussterben!“, (Referenz zu ‚Kreatur wider Natur‚, GegenstĂŒck zum nicht weniger unsinnigen ‚AsexualitĂ€t als natĂŒrliche Begrenzung menschlicher Reproduktion‚), christliche Propaganda „Seid fruchtbar und mehret Euch!„(5)
  • Asexuell und sexuell aktiv?

Vieler der ErklĂ€rungsversuche aus besagtem Fokus heraus stellen Allosexuelle in das Zentrum aller asexueller Erfahrungen. Nicht in einem selbstkritischen Licht, sondern als Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. So findet sich dieses Narrativ in der medialen Berichterstattung (wie bei Watson in Asexuelles WTF: „Asexuelle zwingen Euch zur Enthaltsamkeit“, im ZDF, bei puls vom Bayrischer Rundfunk, bei SWR 2) immer und immer wieder. Oder sie werden kĂŒnstlich geschaffen, um asexuelle Andersartigkeit zu entblĂ¶ĂŸen (ĂŒber die BBC3-Dokumentation: „Es wird das Narrativ aufrechterhalten, dass asexuelle Menschen einfach nicht glĂŒcklich sein könnten, denn ihre Existenz geht gegen jegliche Vorstellungen nicht-asexueller Menschen eines erfĂŒllten Lebens!„).
Und bei aller Kritik zum Einsatz dieses Framings wird mensch entgegnet, dass letztlich nur so asexuelle Geschichten fĂŒr die Außenwelt berichtenswert seien.
commodity asexuality.

"Es ist eine asexuelle Utopie". Der Cast von C*azy Ex Girlfriend tanzt und singt auf einer sonnigen Lichtung unter BĂ€umen, sie tragen dabei weiße Kleidung mit einem durchgestrichenen roten Herz.
Screenshot Musical-Szene der Cr*zy Ex Girlfriend-Folge: Nathaniel wird abserviert (Nathaniel Gets The Message!) . The CW Network/Netflix

AsexualitĂ€t rein als „erstrebenswerten Zustand“ und nicht als ernstzunehmende, gleichwertig neben Bi+ /mspec, Hetero-, HomosexualitĂ€t und Co. bestehende sexuelle Orientierung wurde ebenfalls in der The CW-Serie Cr*zy Ex Girlfriend (CXG) behandelt – natĂŒrlich ausschließlich fiktiv („Utopie“) und fĂŒr die komödiantische Natur der Angelegenheit zutiefst ironisch. Die mitunter durch Satireelemente besetzte US-amerikanische Serie wurde in der Vergangenheit hĂ€ufig fĂŒr ihre QueerinklusivitĂ€t gefeiert (siehe PinkNews); dass hierbei eigentlich ausschließlich allo Queers gut wegkommen und aromantische und asexuelle Menschen mehr als nur durch den Kakao gezogen werden, bleibt aber unerwĂ€hnt (Aspec Erasure).
In CXG-Staffel 3, Folge 9 (2018) wird im MusicalstĂŒck ‚Without Love You Can Save The World‚ eine aspecfeindliche Verarsche mit verspieltem Tritt nach unten zum Besten gegeben, in der AsexualitĂ€t und Aromantik augenzwickernd als Heilmittel fĂŒr aller Welt Probleme portrĂ€tiert sind. Im Song geht es um die Lösung aller Altlasten und Schwierigkeiten, die erreicht werden könnte, wenn die Menschheit doch bloß nicht durch romantisch-sexuelle Liebe abgelenkt werden wĂŒrde. Wie unter ‚Erstrebenswert einfach‘ erlĂ€utert, ist hier eine zugrunde liegende Aspecfeindlichkeit Hauptaspekt des Werks, wobei Aromantik nicht explizit ErwĂ€hnung findet.
So wird AsexualitĂ€t eine inhĂ€rente Sexlosigkeit impliziert und mit Aromantik gleichgesetzt, die wiederum als Lieblosigkeit (lovelessness) dargestellt ist – offenkundig symbolisiert durch die durchgestrichenen roten Herzen auf den weißen T-Shirts auftretender Charaktere in der Traumszene. Durch den „satirischen“ Charakter des Songs wird die stark negativ behaftete Sex- und Lieblosigkeit als etwas „Vorteilhaftes“ oder „Erstrebenswertes ;)“ (Sarkasmus) umgekehrt:

Es wird sich ein Fantasiereich vorgestellt, in der es nie wieder Probleme gibt, denn ohne romantisch-sexuelle Liebe (oder dem Empfinden solcher) ließe sich das alles effektiv meistern. Die Welt könnte gerettet werden!

Krankheiten wĂŒrden heilbar und die Umwelt ausreichend geschĂŒtzt, wĂŒrden, ja wĂŒrden wir nur in dieser gefĂŒhlsbefreiten Utopie leben! Es soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden, dass zudem Abled Saviour Complex-Vorstellungen ausgedrĂŒckt werden, die noch viel tiefer schneiden, wenn eins bedenkt, dass es hier um eine Illusion gehen soll.

Der Witz des Weltverbesser-StĂŒckes kann einzig und allein dadurch funktionieren und landen, wenn den Zuschauenden von vorne herein klar ist, wie absurd so eine RealitĂ€t wĂ€re und das eine solche Sachlage alles andere als wahrhaftig wĂŒnschenswert ist. Annahme also von vorne rein, es existieren keine realen aromantischen asexuellen Lebenswirklichkeit. Die Umkehr und die Koketterie dessen macht also den (mehr oder minder) unterhaltsamen Kick aus. „Haha, wĂ€ren wir nicht alle besser dran, wenn wir aromantisch asexuelle Lebewesen wĂ€ren? Wir wĂ€ren so viel effizienter in allem und könnten uns unabgelenkt den wirklich wichtigen Problemen dieser Welt annehmen! Aber das können wir nun tatsĂ€chlich nicht, schadĂ©!„. Lassen wir hier einfach mal die fragwĂŒrdige Behauptung außen vor, dass jegliche Versuche von Aktivismus nur unter ErfĂŒllung dieser PrĂ€missen effektiv und funktionstĂŒchtig sei. Es spiegelt zweifellos wieder, was Allos denken und erwarten. Welche Menschen in ihrer Vorstellung keinen Platz haben. Oder vielleicht im Gegenteil, nur in ihrer Vorstellung Platz finden.

Mit Songtexten wie „Love’s a real time suck“ („Liebe ist ein richtiger Zeitstehler“) und „I’ve spent way more time than that frettin‘ over guys“ („Ich habe viel mehr Zeit damit verbracht, mich ĂŒber Jungs auszuregen“) finden wir auch die gute, alte Zeitkomponente wieder und wie diese eigentlich so viel besser, effektiver von der Menschheit genutzt werden könnte: „I could have used that time to cure leukemia“ („Ich hĂ€tte diese Zeit dafĂŒr nutzen können, Blutkrebs zu heilen“). „You can save the world / save the world / Not being tied to a bed“ („Du kannst die Welt retten / rette die Welt / statt an ein Bett gefesselt zu sein“) – weniger Sex haben = besserer Mensch sein = weil effektivere Zeitnutzung also? So sehr die kinky reference auch fĂŒr Einige ein Schmunzeln hervorruft, vermittelt angesichts der erwĂ€hnten Behindertenfeindlichkeit diese Wortwahl wiederholt einen doch bitteren Beigeschmack.
Wir finden bei CXG also wieder diesen Kerngedanken von „Asexuelle haben mehr Zeit“ und „Asexuelle können sich besser auf (wichtigere) Dinge konzentrieren“ reproduziert („Conserve your mental energy„, „Schon‘ Deine geistige Energie„) Was die Frage aufwirft, ob Allosexuelle Sex tatsĂ€chlich fĂŒr weniger wichtig halten, gegeben der allonormativen sozialen UmstĂ€nde und der immensen Rolle von Sex in ihr. Vielleicht mag das ja ein erneuter Deflektierungsversuch sein, sich der eigenen Verantwortung zu enziehen, und etwas an dem erdrĂŒckenden Anspruch als omniprĂ€senten menschlicher Verpflichtung und der parallel dazu bestehenden Tabuisierung zu Ă€ndern.

Nun, meiner Ansicht nach handelt es sich im angefĂŒhrten StĂŒck von Cr*zy Ex Girlfriend eben nicht um Satire, sondern diskriminiert durch das Ausblenden von aromantischen und asexuellen Lebenswelten und dem Minimieren unserer KĂ€mpfe, die in der RealitĂ€t alles andere als einfach sind. Schon gar nicht sind diese ein Witz oder eine fiktive Erfindung, die ja so unterhaltsam wĂ€re, wĂŒrden sie existieren. Die Verneinung und Ausblendung unserer Existenzen ist weit verbreitet und hat reelle Auswirkungen auf unsere Communities. Aspec Unsichtbarkeit ist kein Privileg. Aromantische und asexuelle Menschen und ihre Leben werden von den Macher_innen der Show als bloßer humoristischer Zweck zur Weltverbesserung und Frieden gebraucht, nirgends ernst genommen und schon gar nicht als gesellschaftlich marginalisiert betrachtet, sondern als „problembefreit-er“ hingestellt. CXGs Musicalszene dient nicht der gesellschaftskritischen Anmerkung zu und Auseinandersetzung mit Arofeindlichkeit und AmatonormativitĂ€t und verfehlt damit den Anspruch, Satire zu sein.
Romantik und Sex, die gesellschaftlich durch die Verflechtung von Amato-Allonorm stark miteinander verbunden sind, werden als Zeitverschwendung anerkannt, aber Menschen* könnten ja nicht ablassen (*nicht explizit alloro-allosexuelle Menschen, sondern die gesamte Menschheit). Aspec Leute werden hier nicht zu Superheld_Innen erhoben, denn ihre Existenz (und die offenkundige Tatsache, dass Weltfrieden dadurch keineswegs erreichbar ist) wird ja nicht als Möglichkeit in Betracht gezogen.
Without love you can save the world„,“Ohne Liebe kannst du die Welt retten“;“It starts with you, not who you screw„, „Es beginnt mit Dir und nicht mit dem, den Du vögelst“ – das StĂŒck stellt keine kritische alloromantische allosexuelle Selbstreflektierung dar und selbst wenn, wĂ€re es kein applaudierbarer Akt, sich der eigenen Privilegien bewusst zu werden. Oftmals publik deklariert, ist es nicht mehr als ein Schulterklopfer fĂŒr die eigene VorwĂ€rtsgewandheit in selbstbeweihrĂ€uchernder Liberal Pseudo-Progressiveness Manier, ein selbstzufriedenen Über-sich-lachen-Könnens. Damit wĂ€re der aktivistische Teil fĂŒr sie abgehakt. Privilegien gecheckt.
Welt gerettet.

Fazit: Unwissenheit

Als asexuelle Person hat mensch es nicht einfacher. Und wann immer eins mal wieder ein Coming Out hat, muss mensch darauf vorbereitet sein, einen ganzen Vortrag ĂŒber AsexualitĂ€t zu halten. Denn, wie schon hier und da erwĂ€hnt: Ignoranz und Unwillen scheinen stete Kom­pa­g­nons vieler Allosexueller zu sein. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil ĂŒberzeugen – wobei Versuche vermutlich in einer ausgezeichneten Performance von erwĂ€hntem virtue signaling mĂŒnden werden.

Leider besteht in der RealitĂ€t nun doch der oft unersĂ€ttliche Anspruch an Menschen marginalisierter Gruppen, stets die Erwartungen zu erfĂŒllen, Expert_innen auf dem jeweiligen Gebieten ihrer IdentitĂ€t_en und der dazugehörigen struggles sein zu mĂŒssen, um angehört, gesehen oder bemerkt zu werden. Diese undankbare AufklĂ€rungsarbeit, die Viele durch den ressourcen-zehrenden und – dĂŒrfen wir mal so frei sagen? – unbezahlten Charakter der Sache in unseren spĂ€tkapitalistischen UmstĂ€nden zusĂ€tzlich zur LebenrealitĂ€t als (Mehrfach-)Marginalisierte plagt und aussaugt, nutzt den privilegierten Klassen also doppelt. Wer dem Anspruch Bessergestellter nicht nachkommen kann oder gar will, darf nicht mitreden/-kommunizieren! Der Zugang wird entzogen, das Tor zugeschlagen, die MĂ€chtigen bleiben bequem unter sich. Und die Bestimmungsmacht ĂŒber jenes Thema? Nun, die lag ja ohnehin nie wirklich in den HĂ€nden der Betrofffenen, oder?! Wenn die Herrschenden doch Zugang zu ReprĂ€sentationsgestaltung und Diskurslenkung halten…
Gatekeeping. Mal wieder.

So bleibt es nicht nur bei der Bildung der Ignoranten und ihrer fehlenden Einsicht, sich der eigenen bequemen Position in einem Umfeld und dem vorherrschenden MachtgefĂ€lle bewusst zu werden. Der Weg hin zur Selbstbildung – der IdentitĂ€tsfindung – gerade, wenn wir uns zurĂŒck zur asexuellen IdentitĂ€t mit ihrer besonderen sozialen Unsichtbarkeit besinnen, ist ein steiniger. Und mit ’steinig‘ ist ‚zeitaufwĂ€ndig‘ und manchmal gar ‚arbeitsintensiv‘ gemeint. Asexuell sein wird den Allerwenigsten beigebracht, wie es Heterosexuellen beigebracht wird. Versteht mich nicht falsch – ich glaube keinswegs, dass SexualitĂ€t beigebracht wird. Ich mag vielmehr auf das Auftauchen in den Medien, in gesellschaftlichen Diskursen hinaus. Auf Schulunterricht und Kultur. Im alltĂ€glichen Leben ĂŒber AsexualitĂ€t gelehrt zu werden.
Etliche Jahre habe ich als queere Person verloren, weil mir nicht erlaubt wurde, mich zu finden. Mich wiederzufinden in Figuren, die so wÀren wie ich, die empfÀnden wie ich. In meiner Jugend konnte ich nicht erklÀren, was ich nicht bin. Stattdessen habe ich verzweifelt gesucht, was mich endlich so sein lÀsst, wie die Anderen. Ich habe den Fehler in meinem vermeintlichen Fehlen gefunden.
Aber mir hat nichts gefehlt. Diese Erkenntnis hat mir auch niemensch beigebracht. Entgegen der gesellschaftlichen Annahme einer „inhĂ€renten Fehlerhaftigkeit Asexueller„, fehlt mir auch bis heute nichts, außer vielleicht meine verlorenen Jahre. Nun habe ich jedoch auch schon ein Alter erreicht, indem ich mich von der romantisierten Retrospektive einer „hĂ€tte, wĂŒrde, könnte„-Jugend ohne wirkliche Wehmut verabschieden kann.

Mehr zum Thema: Asexuelle IdentitÀtsfindung

Menschen zu finden wie mich zu finden hat viel Zeit gebraucht. Meine Community zu finden hat viel Zeit gebraucht. Mich einzulesen und zu informieren, was AsexualitĂ€t ist, hat viel Zeit gebraucht. Mich selbst zu verstehen, mit meinen BedĂŒrfnisse, meinem Verlangen, hat viel Zeit gebraucht. FĂŒr viele von Euch (und ich spreche hier bewusst nicht von ‚Heterosexuellen‘) ist das eine Reise, die ihr nicht verstehen werdet. In einigen Dingen findet ihr Euch vielleicht wieder, aber ihr wisst nicht, was es heißt, asexuell zu sein. Ihr habt also kein Recht, die Behauptung aufzustellen, es wĂ€re einfach, asexuell zu sein.
Um tumblr user aleatoryw noch einmal zu zitieren: „It ain’t a walk in the park. We just make it look easy.

Die Zeit also, in der asexuelle Individuen Eure unsĂ€glichen Unwissenheit und Eure nicht selten ĂŒbergriffigen Fragen ausbĂŒgeln mĂŒssen, habt ihr doch nutzbare Freizeit.
Oh nein, den Glauben ans aktive Zuhören, an resultierender SolidaritĂ€t und der daraus wachsenden Wissensweitergabe an peers habe ich fĂŒr mich abgelegt! DafĂŒr bin ich zu beschĂ€ftigt!
Womit?
Ich bekÀmpfe die Allonorm. Jeden Tag.


Asexuality is not a piece of cake


Meinem Dank gilt Companion und Kollege Schatzberger fĂŒr das Verlinken-DĂŒrfen des empfehlenswerten WordPressbeitrags!
Desweiteren danke ich meiner eigenen sprachlichen Unsicherheit rund um die korrekte Deklination meiner x/xs-Pronomen: Sprache ist wandelbares Spiel.

1 Referenz zu acefeindlichen SprĂŒchen wie „Es gibt keine asexuellen Menschen oder AsexualitĂ€t“ und „Sex und sexuelle Anziehung empfinden sei dass, was Menschen ausmache

2 hiermit sind nicht die Menschen gemeint, die womöglich von fluider Orientierung sind und durchaus legitimerweise „einmal asexuell waren, nun aber eine andere sexuelle Orientierung haben“ oder umgekehrt. Diese Aussage gilt einzig und allein Menschen, die sich fĂ€lschlicherweise aufgrund Aus-/Fernbleibens sexueller AktivitĂ€t, selbstbestimmter sexueller Abstinenz oder gar Zölibat (also aktiv getroffenen Entscheidungen und Handlungskonsequenzen), sich fĂŒr „asexuell“ halten (siehe Ă€hnlich treffernderweise von Jenna DeWitt in diesem Tweet formuliert). Es geht um Allosexuelle, die aus aktiver oder passiver Unwissenheit und Ignoranz gegenĂŒber Asexuellen eine vermeintliche IdentitĂ€t aneignen. Es geht hier nicht um eine Grundsatzdiskussion. In einer allonormativen Welt, die von Allosexuellen bestimmt wird, in der Acefeindlichkeit als Diskriminierungsform besteht; in der sie Asexuelle zur Psychotherapie oder zur Einnahme von Medikation von ihrer AsexualitĂ€t „heilen“ und „konvertieren“ wollen; in der sie asexuelle Selbstfindung unsichtbar machen, gĂ€nzlich absprechen, legitimieren und oder fremdbestimmen wollen, haben Asexuelle ein Recht darauf, ihre radikale asexuelle IdentitĂ€t_en, Autonomie und Definitionen selbst zu bestimmen. Es ist kein Ausschluss – so funktionieren (queere) IdentitĂ€ten. Es gibt Begriff in der Sprache, die genau das besetzen, was diese Allosexuellen auszudrĂŒcken versuchen (wie schon genannt: sexuelle Abstinenz, etc.). Und ja, ich sehe eine Berechtigung von asexueller Seite darĂŒber unglĂŒcklich zu sein, wenn allosexuelle Leute fĂ€lschlicherweise behaupten, sie wĂ€ren ‚asexuell‘, wenn sie meinen, sie hatten „eine Trockenphase“ (Allosexy-Sprech fĂŒr „Keinen Sex ĂŒber [gewissen Zeitraum]“) oder Ă€hnliches.
Menschen, die oben genannte Aussage und ErklĂ€rung absichtlich missverstehen wollen, dĂŒrfen sich gerne diesen WordPressblog verlassen und sich ihre Zeit anderweitig einteilen.

3 in Anlehnung an Fragile Heterosexuality

4 Die Ausrede so genannter „Ängste [der weißen Arbeiter_innenklasse]“ hat eine lange Tradition zur Delegitimierung von Bigotterie und Menschenfeindlichkeit, insbesondere Rassismus (siehe z.B. im Zitat von Jason Stanley aus How Facism Works im Videoessay MAGA and Fascism von Renegade Cut)

Ein Gedanke zu „Asexuelles WTF: „Mehr Zeit, weil asexuell“?!

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